Die bauen das Spreeufer zu…

Als im Januar der zweite Bau des Mode-Showroom-Unternehmens „Labels“ eröffnet wurde, war es ausgerechnet der Friedrichshain-Kreuzberger Bürgermeister Franz Schulz, der sich voll und ganz zur Mediaspree-Entwicklung bekannte:

„Ein solcher Erfolg war am Anfang nicht zu erwarten“, sagt Franz Schulz, der bündnisgrüne Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, und lobt auch die Architektur der Labels-Gebäude. Für die Entwicklung des Gebietes Mediaspree sei dies „ein wichtiger Baustein“. (Tagesspiegel vom 18.1.2010)

Es sollen also weiterhin – ungeachtet der Proteste und des Bürger_innenentscheids – schicke neue Firmen am Spreeufer platziert werden, damit die Aufwertung der angrenzenden Kieze gleich mit vorangetrieben wird. Gentrification lässt grüßen.

Und als ob Berlin nicht schon vollgepflastert wäre mit gerade mal zur Hälfte ausgelasteten Hotels, wurde begeistert beschrieben – nach dem Tagesspiegel-üblichen Motto „Hauptsache die Kräne drehen sich“, wie an der Schillingbrücke ein weiteres Hotel aus dem Boden gestampft werden soll:

An der Schillingbrücke sind die Bagger angerollt, um Altbauten abzureißen und die Baugrube auszuheben. Rund 28 Millionen Euro investiert der Projektentwickler Jürgen Kilian hier. Der Mieter steht fest: Der Konzern „Gold Inn“ wird Betreiber eines Hotels mit vier Sternen, das den bestehenden Häusern in der Nachbarschaft – Ibis- und Intercity-Hotel – Konkurrenz machen wird. (…) Kilian ist von dem Standort so überzeugt, dass er nun auch ein Angebot für das Nachbargrundstück abgeben will. Das gehört der Gasag und wird vom landeseigenen Liegenschaftsfonds ausgeschrieben. Dessen Chef Holger Lippmann sagt: „Es gibt Interessenten, aber durch die Verringerung der Baufläche und den größeren Abstand zum Spreeufer ist die Bebaubarkeit eingeschränkt.“

Lifo-Chef Lippmann schmollt also noch darüber, dass auf „seinem“ Grundstück (tatsächlich gehört es der Stadt Berlin) die Baugrenzen um ein paar wenige Meter verschoben worden sind, um im Sonderausschuss die offiziellen Handlungsspielräume aufzuzeigen: Hier und da ein paar Meter mehr fürs Ufer, aber um Himmels willen nicht die einzelnen Bauprojekte in Frage stellen, und erst recht nicht das Planungsziel von „Meidaspree“. Aber immerhin wurde in dem Artikel auch gleich erwähnt, dass es an vielen Stellen am Ufer gerade nicht so richtig erfolgreich voran geht mit Mediaspree:

Zumal auch die Mediaspree-Projekte von der Wirtschaftskrise betroffen sind. So manches Grundstück wird wegen der Kreditklemme nicht bebaut. Die Fläche der japanischen Firma Urnova, nahe dem Energieforum, zum Beispiel. Und der Baukonzern Hochtief dementiert, dass die Bürohäuser neben dem fast fertigen Nippon-Hotel nun rasch gebaut werden: „Dafür brauchen wir einen Nutzer. Es gibt zwar Verhandlungen, aber noch ist kein Mietvertrag unterschrieben“, sagt Sprecherin Gabriele Stegers.