Archiv für Februar 2011

Daimler-Stern überm Spreeufer?

Gerade erst hatten hunderte Demonstrant_innen nach der Liebig14-Räumung eine „Schneise der Zerstörung“ an den Mediaspree-Projekten in Friedrichhain hinterlassen, da meldet sich Mercedes-Benz und will mit von der Partie sein. Nein, nicht brandschatzend, wie viele der Konzernprodukte weltweit in Kriegen eingesetzt werden, sondern als Zielscheibe: Neben Büros für 1200 Angestellte soll auch ein Mercedes Showroom entstehen – mit großen Schaufensterscheiben. Tststs…

Grobes Modell der Anschutz-PläneBereits 2013 soll nun also der Mercedes-Benz Vertrieb Deutschland vom Potsdamer Platz ans Spreeufer, zwischen Ostbahnhof und O2-Halle, ziehen. Bis dahin müsste natürlich noch was dort gebaut werden, und das besorgt die Vivico Real Estate, bekannt als mittlerweile selbst privatisierte Bahn-Immobilien-Privatisierungsagentur.

Und freuen tut sich bestimmt das reaktionär-homophobe Ars**loch Philipp Anschutz, endlich, nach vielen vielen Jahren ein erstes Stückchen des riesigen brachliegenden Anschutz-Geländes verkauft und bebaut zu bekommen. (Wenn die in dem Tempo weiter machen, ist die O2-Halle längst wieder abgerissen, bevor drum herum nur die Hälfte bebaut ist.)

Immerhin zeigt der Mercedes-Deal gleich ein paar Mediaspree-typische Umstände mit aller Deutlichkeit:

  1. Der Bürger_innenentscheid „Spreeufer für Alle!“ soll mal wieder keine Rolle spielen. Das Anschutz-gelände ist zwar außerhalb des 50-Meter-Uferstreifens, doch die Forderung, im Mediaspree-Gebiet keine neuen Hochhäuser zuzulassen, wird einfach ignoriert. Der Grüne Bürgermeister Franz Schulz hat bereits seine heillose Begeisterung für die Mercedes-Pläne bekannt gegeben.
  2. Medienklitschen und -unternehmen werden hier nur untergebracht, wenn es sich zufällig ergibt. Die privaten Grundstückseigentümer sind froh, wenn ihnen irgendwer die Grundstücke nach Jahren des Wartens abnimmt. „Mediaspree“ ist dabei vor allem ein Werbemittel, um den Investitionsraum Spreeufer bekannt und interessant zu machen.
  3. Das große Märchen des versprochenen Arbeitsplatzwunders ist blanker Unsinn. Wen interessiert es, wenn ein Unternehmen von Platz A nach Platz B umzieht?
  4. Viele Unternehmen siedeln sich zur Kostenersparnis an. Bei Universal Music ging es damals um die Verschlankung des Unternehmens, bei Mercedes sind es die billigeren Tarifverträge, die in Ost-Berlin gelten.
  5. Die Karawane zieht auch wieder weiter: Mercedes hat Vivico zufolge einen 10-Jahres-Mietvertrag abgeschlossen. Am Potsdamer Platz haben sie es keine 15 Jahre ausgehalten, obwohl sie selbst Bauhherr gewesen sind. Geht es danach weiter nach Oberschöneweide, weil es dort noch billiger ist? Nicht dass so ein Weiterziehen schlimm wäre, aber wir lassen uns dafür doch nicht unsere Spreeufer versauen!
  6. Widerstand ist weiter nötig: Mediaspree versenken!

Viel Wut in der Luft

Glasbruch an der O2-Halle (Foto: Mikael Zellmann)Nach der skandalösen und illegalen Räumung des Hausprojekts Liebig14 gingen abends Tausende in Friedrichshain auf die Straße. Das uniformierte Gewaltmonopol bot allerhand auf, um die Demo im Zaum zu halten, stoppte sie schließlich, doch die Demonstrant_innen ließen sich nicht stoppen. Größere und kleinere spontane Versammlungen zogen es nun vor, die Route und die Verkehrslenkung in die eigene Hand zu nehmen.

Glasbruch am Berliner Liegenschaftsfonds (Foto: Mikael Zellmann)Dabei gerieten ausgerechnet einige wichtige Akteure von Mediaspree in den Fokus: Am Liegenschaftsfonds in der Warschauer Straße hinterließ die Wut der Leute ebenso deutliche Spuren wie an der O2-Halle – beides Mal gingen allerlei Scheiben zu Bruch. Auch den Mediaspree-Akteur BSR traf es Polizeiberichten zufolge.

Fotos: Mikael Zellmann