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Nachtrag zur Spreedemo

Vor einem Monat zog die Spreedemo durch Friedrichshain, Treptow und Kreuzberg, um gegen die fortlaufende kommerzielle Verwertung der Spreeufer zu demonstrieren und die Positionen des Bürger_innenentscheids von 2008 zu bekräftigen: „Spreeufer für alle – Mediaspree versenken!“

Der RBB Abendschau Beitrag vom 14. Juli:

Profitmaximierung am Spreeufer auch für Zapf Umzüge

Über eine Versammlung zu den Planungen für das Spreeufergrundstück der Zapf Umzüge AG gibt es einen Artikel im MieterEcho: „Schätze, wem Schätze gebühren“ heißt er, und thematisiert vor allem die Reaktionen des Friedrichshain-Kreuzberger Bürgermeisters Franz Schulz (Grüne) auf die Bebauungswünsche von Zapf. Diese wollen das Grundstück möglichst teuer verkaufen, damit sich ein Umzug an einen anderen Ort auch wirklich lohnt. Und teuer verkaufen lässt sich das Grundstück, wenn es ordentlich dicht bebaut werden kann.

Nun haben Schulzens Grüne bereits vor einem guten Jahr „Planungsleitlinien für das Kreuzberger Spreeufer“ (PDF 1,4 MB) erlassen, die bereits ein deutlicher Rückschritt gegenüber dem „Spreeufer für alle“-Bürger/innenentscheid darstellen: Nur 30 Meter freier Uferstreifen gegenüber 50 Meter laut Bürger/innenentscheid. Von diesen Planungsleitlinien wollte Schulz nun jedoch angesichts der Zapf-Pläne (PDF 9,1 MB) nichts mehr wissen, gab sich mit einem größtenteils zehn Meter breiten Uferstreifen sichtlich zufrieden. Hauptsache es wird gebaut am Spreeufer.

Weitere Presseberichte zu der Versammlung und den Plänen der Zapf Umzüge AG sowie des Architekturbüros Graft finden sich auf der Seite des Stadtteilauschuss Kreuzberg e.V., der die Veranstaltung organisiert hatte.

„Ist das Projekt Mediaspree also gestoppt?“

Die Zitty nimmt die Megaspree-Parade und das ungwöhnlich große/breite/vielfältige Bündnis, das den tanzenden Sternmarsch auf die Beine gestellt hat, zum Anlass, eine neue APO herbeizuschreiben. Sie stellt einige bedrohte Kulturprojekte vor, die größerenteils bei Megaspree mit aktiv sind. Und interviewt den Pressestar-Evergreen C. J. als Vertreter von Mediaspree versenken:

Ist das Projekt Mediaspree also gestoppt?
Momentan sieht es glücklicherweise so aus, als wolle niemand, der an der Spree eine Baugenehmigung hat, hier den ersten Spatenstich machen nach dem Bürgerentscheid für freie Ufer. Nur der Senat meint, das Maria-Grundstück verkaufen zu müssen, um einen gegen den Bürgerwillen durchgedrückten Bebauungsplan umzusetzen. Wir hoffen, dass im Osthafen die Öffentlichkeit im gesetzlichen Rahmen informiert und beteiligt wird, bevor irgendwas weitergeht. Das Bauen ohne Bürgerbeteiligung in Berlin muss endlich aufhören.

Das ist lustig. Begonnene Bauarbeiten seit dem Bürgerentscheid: nhow-Hotel, Labels 2, HochTief-Zentrale, Abriss der Kühlhäuser der Eisfabrik. Mehrere Bauvorhaben (z.B. am Postbahnhof) sollen wegen der Finanzkrise gescheitert sein, ganz unabhängig vom Bürger_innenentscheid. Die Riesenbaugruppe „Oberbaumkiez“ scheiterte an unzureichender Nachfrage. Nun wurde ein weiteres HochTief-Bürogebäude angekündigt, angeblicher Baubeginn: 1. Quartal 2011. Weiterhin warten die Großbaugruppe „Spreefeld“ und das Carloft-Projekt am Treptower Ufer auf den Startschuss, Stefan Sihler träumt von einem Labels 3 im Osthafen und der Käufer der Seifenfabrik könnte bald mit einem Plan auf der Matte stehen.

Leute, Mediaspree läuft weiter, auch ganz ohne Marketingverein. Weder Bezirk, Senat noch Presselandschaft, geschweige denn ein auf dem Papier beschlossener Bürger_innenentscheid hält da Investoren zurück. Wenn die Nachfrage stimmt, wird auch gebaut – so sieht’s aus. Um das zu verhindern braucht es mehr als die immergleiche Beteuerung, es stehe bestens um ein Spreeufer für alle, und Mediaspree versenken habe alles im Griff. So wird Bewegung getötet statt angeregt! (fassungslos sei…)

Schnauze voll von Investorenlandschaften

Schon fast zwei Jahre alt, aber immer noch genauso aktuell: Das geniale Animationsfilmchen von Pappsatt, damals als Wahlwerbung zum Bürger_innenentscheid gebastelt:

…oder direkt bei vimeo anschauen.

Räume ermutigen zu Handlungen. Sie verbieten andere Handlungen.

Christoph Schäfer, als stadtpolitischer Künstler vor allem in Hamburg tätig (Park Fiction, Es regnet Kaviar), hat ein Buch geschrieben, nein: gemalt. Es heißt „Die Stadt ist unsere Fabrik“ und soll die ambivalente Geschichte der Stadt als Ort der Inszenierung und der Veränderung beschreiben. Und in diesem Fall soll es auch um revolutionäre Veränderung gehen, im Sinne Henri Lefbvres „Revolution der Städte“.

Buchpräsentation in Berlin:
Mittwoch, 24. März, 20:30 Uhr, Pro QM, Almstadtstraße 48-50 (Mitte)